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Presse

 

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„Sie ist unsere Pionierin – eine starke und mutige Frau“ kam der
Lindenfelser Theologieprofessor Professor Bernhard Suin de Boutemard
ins Schwärmen und erzählt Details. „Es war eine wahnsinnig tolle
Erfahrung und ich habe viele Kontakte geknüpft“ erzählt Dorothea
Steigler ebenso enthusiastisch und ergänzt „Diese Chance wollte ich mir
nicht entgehen lassen“. Ausdrücklich lobt sie dabei die Organisation
ihrer Reise. Das Dekanat Bergstraße Süd der Evangelischen Kirche in
Hessen und Nassau bot jungen Menschen die Chance – finanziell kräftig
unterstützt – für vier Wochen in den Kaukasus zu reisen. Im Mittelpunkt
stand dabei das Wiederaufbauprojekt an einer romanischen Kirche aus dem
13. Jahrhundert, die auch als sozialdiakonischer Beitrag zum
Wiederaufbau der georgischen Gesellschaft verstanden wird. Die Botschaft
der Bundesrepublik Deutschland in Tiflis unterstützte zeitweise die
Restauration und durch Professor Bernhard Suin de Boutemard und die
Georgien-Hilfe konnte diese besondere Form des Sponsorings gefunden
werden. Sie wollen damit tragende Kontakte zwischen jungen Menschen hier
und in Georgien aufbauen.
„Ich war einfach neugierig – ich studiere Sozialarbeit und deshalb
interessiere ich mich für Menschen und Kultur“ beschreibt Dorothea
Steigler ihre Intention zur Georgienreise. „Ich will wieder hin, das ist
ganz klar für mich“ blickt sie auf vier ereignisreiche Wochen zurück und
erzählt von ihrer Motivation und den intensiven Erfahrungen. Sie konnte
sehr eindrücklich die Lebensgewohnheiten der Menschen in einer fremd
anmutenden Region der Welt kennen lernen und dabei auch erleben, dass
sie durch ihren freiwilligen und unentgeltlichen Einsatz etwas erreichen
kann. In Georgien ist nach vielen Kriegen und Fremdbestimmungen noch
eine chaotische Soziallage überall sichtbar – aber ebenso eine Aufbau
und Aufbruchstimmung.
So konnte sie einen Beitrag dazu leisten, den Prozess einer neuen
Identitätsbildung der georgischen Menschen ein Stück weiter voran zu
bringen.
Jetzt wird umso deutlicher auch der Wunsch von Dorothea Steigler
erkennbar, dass Andere mehr erfahren über das Land und die Menschen.
Umgerechnet sieben Euro Rente monatlich machen deutlich, dass manche
Menschen bitterarm sind. Besonders die Lebensbedingungen in dem
besuchten Kinderheim und dem Frauenhaus schockierten sie und zählten
während der einwöchigen Rundreise zu den imposantesten Eindrücken der
Not, die sie jetzt nicht mehr loslassen. Normalität ist dort auch, dass
man einfach eine Kerze anzündet, wenn in der U-Bahn der Hauptstadt
Tiflis wieder einmal das Licht ausgeht.
Ende Juli, am Tag ihres 22. Geburtstages, startete die junge Studentin
aus dem Gorxheimer Tal Richtung Georgien. „Ich wurde überall sehr
herzlich empfangen“ betonte Dorothea Steigler die Gastfreundschaft und
eine ihrer prägendsten Erinnerungen. Ihre Dolmetscherin Etia
Dshintscharadse wurde zu ihrer engen Freundin und wird sie demnächst im
Rahmen eines Stipendiums in Deutschland besuchen.
Gemeinsam mit georgischen Studierenden hat sie beim Wiederaufbau der
Romanischen Klosterkirche in Dschulewie im Süd-Westen Georgiens mit den
einzigartigen Wandmalereien mitgeholfen. Ein Projekt, das von Giorgi
Tscherkesischwili, Professor für Religionsgeschichte und Margret Wegmann
intensiv unterstützt wird. Schon morgens früh um sieben Uhr starteten
die 20 Studenten mit ihrer Arbeit, zogen Gräben und legten Fliesen. Am
Abend traf man sich im Zeltlager am Lagerfeuer und gerade dort konnte
man viel über das Leben der anderen erfahren. „Das ist Männerarbeit“ so
wurde Dorothea Steigler oft zurück gedrängt, wenn es um harte Arbeit
innerhalb der Gruppe ging. Das Patriarchat und das klassisches
Rollenbild prägt auch die Denkweise der jungen Georgier, die anderseits
sehr zuvorkommend zu ihr waren. Überall herrscht jetzt ein starkes
Wir-Gefühl, nach den Jahren des Kriegs will man jetzt das Land wieder
aufbauen. „Wir zeigen und schaffen ein Bewusstsein dafür, dass man nicht
alleine schaffen und aufbauen muss, sondern geholfen bekommt“ betonte
Professor Bernhard Suin de Boutemard. Die Ebene der persönlichen
Begegnung ist für den christlichen Dialog entscheidend. „Ich erlebte
eine große Akzeptanz dem Glauben gegenüber“ konnte auch Dorothea
Steigler unterstreichen. Den siebenstimmigen Gesang des orthodoxen
Abtes, der drei Mönche und der drei Novizen schildert sie als
wunderschön. „Sie fanden es einfach toll, dass ich deren Lieder gelernt
habe und ich habe ihnen evangelische Kirchenlieder beigebracht“ betont
die deutsche Studentin. Es sind viele Formen des Kontaktes mit denen man
am Aufbau einer kirchlichen, nationalen und kulturellen
Gesellschaftsordnung mitwirken kann.
Renatus Keller, Pfarrer für Ökumene und Mission, lobte diese
Aufbauarbeit. Das Gotteshaus ist ein großer Anziehungspunkt für die
dortigen Menschen geworden – Georgier kommen auch aus der weiteren
Umgebung zur Klosterkirche in Dscheulewie. „Mit dieser Arbeit kann eine
Spur aufgenommen und zu einem Weg werden, dort eine Partnerschaft mit
einer christlich-georgischen Gemeinde zu begründen“ so wurde im Dezember
2005 das Engagement des Dezernates umschrieben. Inzwischen kann man mit
dem praktizierten Engagement von Dorothea Steigler auf einen
Zwischenschritt auf dem Weg zum zivilgesellschaftlichen Selbstvertrauen
in Georgien zurückblicken. Erste Brücken konnten nach Georgen geschlagen
werden. Als nächstes möchte Dorothea Steigler andere Menschen motivieren
und mit Kleiderspenden eine erste realisierbare Hilfe organisieren. Der
nächste Winter kommt und dann werden auch in der Hauptstadt der Strom
und das Gas knapp. „Was das Land am dringendsten braucht ist einfach
Geld“ resümiert sie.