Aus der Zeitung:
Bergstraesser Anzeiger
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Wahl-Georgierin auf Stippvisite in der deutschen Heimat
Margret Wegmann setzt sich für die Renovierung romanischer
Klosterkirchen ein / Besuch bei Bernhard Suin de Boutemard
Lindenfels. Besuch aus Georgien konnte in diesen Tagen
der Lindenfelser Theologe Professor Bernhard Suin de Boutemard
willkommen heißen. Die deutsche Studiendirektorin
Margret Wegmann "im Unruhestand", wie sie selbst
sagt, hat das letzte Jahr in Tiflis verbracht. Sie kennt
das ehemals sowjetische Land schon seit 1986 als sie mit
einer Freundesgruppe die Länder Ukraine, Georgien
und Armenien besuchte. "Damals hatte ich
einfach den Wunsch, die Gegend kennenzulernen", so
Margret Wegmann. Entstanden sind in dieser Zeit die ersten
Freundschaften zu Land und Leuten und der Kontakt sollte
nie ganz abbrechen. Nach ihrer Pensionierung wurde sie
von der Universität in Tiflis zu Vorlesungen in deutscher
Literatur eingeladen. Dort lernte sie den Dozenten Georgi
Tscherkesischwili kennen, der sich mit einer Gruppe Studenten
für die Restaurierung der romanischen Klosterkirche
von Dschulewi einsetzt.
Wiederaufbau nach dem . . .
Mit dieser Klosterkirche beschäftigt sich auch der
Lindenfelser
Theologieprofessor Bernhard Suin de Boutemard. Er hat
im April dieses Jahres im Bergsträßer Anzeiger
darüber berichtet und darum gebeten, mit einer Spende
die ehrenamtlich tätigen Studenten vor Ort zu unterstützen.
Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde in Schlierbach
hat er
einen Spendenaufruf gestartet. Bernhard Suin de Boutemard
lehrt an der Theologischen Hochschule in Friedensau, das
liegt in Sachsen-Anhalt. Er kennt viele Studenten auch
aus
Russland, von ihnen erfuhr er von dem Projekt der besonderen
Art. "Gesellschaften brauchen eine symbolische Ordnung",
so Bernhard Suin de Boutemard. So manche Ordnungen in
verschiedenen Ländern sind im Umbruch. Auf der Suche
nach einer neuen Ordnung sind derzeit Länder, die
viele Jahre kommunistisch regiert wurden. Die Religion
wurde viele Jahrzehnte in diesen Ländern unterdrückt
und die Klöster und Kirchen verfielen. Heute erfahren
nicht nur viele junge Menschen wieder Halt in der Religion,
sie unterstützen den Aufbau von Kirchen und Klöstern
und besuchen die Gottesdienste, davon berichtete auch
Margret Wegmann.
Die romanische Klosterkirche von Dschulewi ist ein altes
Kulturgut der orthodoxen Kirche, sie befindet sich im
Südwesten von Georgien an der Grenze zur Türkei.
Die kreuzkuppelartige romanische Kirche wurde im 13. Jahrhundert
errichtet und dem heiligen Sankt Georg geweiht. Dem mittelalterliche
Kulturgut mit einzigartigen Wandmalereien und einer hohen
Technologie der Steinbearbeitung drohte der Verfall.
Schon im letzten Jahr unterstützte die Botschaft
der Bundesrepublik Deutschland in Tiflis dieses Projekt
mit Materialkosten. Studenten der Philosophischen Fakultät
in Sighnagni, einer Außenstelle der Staatlichen
Universität Tiflis, übernahmen ehrenamtlich
und kostenlos für drei Wochen
die Arbeiten. Allerdings brauchten die Studenten Geld
für ihre Anreise und Abreise, für Essen und
Trinken sowie für ihre Unterkunft mit Zelten. Dieses
konnten sie nur von Spendengeldern bekommen, was aber
in dem armen
und von Umbrüchen gekennzeichneten Land nicht einfach
ist.
Von ihrem Leben in Georgien berichtete Margret Wegmann.
Besonders schlecht ist die Energieversorgung. Weil es
keinen Strom für Wasserpumpen gibt, fließt
das Wasser nur einmal in der Woche aus den Hähnen
und im Winter bleibt deshalb die Heizung kalt.
Durch ihre Kontakte zwischen der Universität in
Tiflis und Deutschland konnte sie die Spendengelder direkt
an die Studenten weitergeben und durfte in diesem Sommer
die Studenten auf ihrer Fahrt zur Klosterkirche begleiten.
"Die Gruppe von gut zwanzig Studenten ist ein eingespieltes
Team", berichtete sie. Alle freuten sich darauf,
die im letzten Jahr begonnenen Arbeiten fortzuführen.
"Je näher wir Dschulewie kamen, umso ausgelassener
wurde die Stimmung bei den Studenten."
. . . Ende des Kommunismus
Die Klosterkirche gehörte zu einem Kloster, in dem
einmal hundert Mönche und Novizen lebten. Wie viele
Klöster der Gegend wurde sie geschützt in einen
Talkessel gebaut.
Die nächste kleinere Ortschaft mit einem Lebensmittelladen
ist knapp zwanzig Kilometer entfernt, die nächste
Stadt dreißig Kilometer. Nach den ersten Arbeiten
in den letzten zwei Sommern wurde es möglich, dass
dort nun wieder zwei Mönche und drei Novizen leben.
Zu ihren Gottesdiensten,
etwa zu Taufen und zur Fastenzeit, kommen die Menschen
von weit her.
Inzwischen konnte das Dach renoviert werden, die zerfallenen
Nord- und Westwände instand gesetzt werden sowie
weitere Steinmetzarbeiten - wie die Sanierung des Taufbeckens
- durchgeführt werden. Auch die Malereien im inneren
der Kirche konnten hergestellt werden, wie Bilder von
einst und heute deutlich machten. jhs
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